Eine universelle Patentlösung gibt es nicht.

Der Wechsel hin zu nachhaltigen Transportlösungen birgt sowohl Chancen als auch Herausforderungen für die Transportindustrie. Volvo Trucks arbeitet unablässig an der Entwicklung neuer Technologien zur Verbesserung der Energieeffizienz und treibt den Fortschritt in enger Zusammenarbeit mit seinen Kunden voran.

Lars Mårtensson

Volvo Trucks produziert Lkw in Werken, die CO₂-neutral sind. Ein wichtiger Aspekt der Arbeit für den Umweltschutz ist das Recycling. Mehr als 90 Prozent eines Lkw lassen sich recyceln – Tendenz steigend.

Was unternimmt Volvo Trucks, um die Umweltbilanz der Transportbranche zu verbessern?
„Wir befinden uns derzeit in einer Übergangsphase. Hinter uns liegen Jahrzehnte der Abhängigkeit von Öl, und vor uns liegt ein Zeitalter, das auf erneuerbare Kraftstoffe setzt. Als Fahrzeughersteller arbeiten wir an der Entwicklung neuer Technologien, die effizienter mit Ressourcen umgehen, als dies früher der Fall war. Dies betrifft die gesamte Lebensdauer des Fahrzeugs. Daraus folgt, dass eine enge Zusammenarbeit immer wichtiger wird, und zwar nicht nur mit den Produzenten von Biokraftstoffen und den Händlern und Spediteuren, sondern auch mit den Politikern. Zum Beispiel beraten wir die UN und sprechen unter anderem Empfehlungen aus, die eine höhere internationale Entwicklungsförderung sowie gesetzliche Regelungen und Anreize zur Förderung neuer Transporttechnologien zum Gegenstand haben.“

Welche Kraftstoffe werden sich nach Ansicht von Volvo Trucks durchsetzen?
„Wir glauben nicht, dass es ein universelles Patentrezept gibt. Vielmehr müssen wir nach Alternativen suchen – zu verschiedenen Zeiten, in verschiedenen Teilen der Welt und für verschiedene Zwecke. Außerdem hat jeder Kraftstoff seine Vor- und Nachteile. Wichtig ist, dass man nicht nur auf den Schadstoffausstoß im Fahrbetrieb achtet, sondern den gesamten Lebenszyklus im Blick hat. Vor diesem Hintergrund halten wir einige Lösungen auf lange Sicht für besonders interessant, zum Beispiel gasbetriebene Fahrzeuge und die Elektrifizierung.“

Wir müssen nach Alternativen suchen – zu verschiedenen Zeiten, in verschiedenen Teilen der Welt und für verschiedene Zwecke.

Lars Mårtensson, Director Environment and Innovation,

Volvo Trucks

Warum wird nicht mehr in Elektroantriebe für den Fernverkehr investiert?
„Zum jetzigen Zeitpunkt glaubt man bei Volvo Trucks vor allem an Elektrofahrzeuge für den Stadtverkehr, obwohl die Elektrifizierung langfristig sicher auch großes Potenzial für den Fernverkehr hat. Für vollelektrische Fahrzeuge im Fernverkehr wird man eine permanente Stromzufuhr brauchen – zum Beispiel über in die Fahrbahn eingelassene Stromschienen – sofern sich batteriebetriebene Fernverkehrsfahrzeuge als nicht realisierbar erweisen. Da elektrifizierte Strecken große gesellschaftliche Investitionen in die Infrastruktur erfordern, ist diese Variante wohl eher Zukunftsmusik. Trotzdem wird sie von uns erprobt. Schon jetzt brauchen wir alternative Lösungen. Gas zum Beispiel liefert uns die Möglichkeit, in kurzer Zeit neue Produkte zu entwickeln, die eine sehr positive Klimabilanz haben.“

Haben Sie neue Entwicklungen in Sachen Gasantrieb zu vermelden?
„2018 bringen wir einen neuen gasbetriebenen Lkw für den Regional- und Fernverkehr auf den Markt. Im Vergleich mit unserem vorherigen Lkw für EURO 5 ist es uns gelungen, den Gasanteil des Fahrzeugs auf mehr als 90 Prozent anzuheben. Zudem liefert das Flüssiggas genug Energie für eine Reichweite von bis zu 1.000 Kilometern ohne Tankstopp. Dies liegt daran, dass es sich nicht um einen herkömmlichen Gasmotor mit Zündkerzen handelt, sondern um einen Dieselmotor, bei dem das Gas mit einer kleinen Menge Diesel oder HVO (Hydriertes Pflanzenöl) entzündet wird. Auf diese Weise werden die klimatischen Vorteile von Biogas mit der Leistung, Energieeffizienz und den Laufeigenschaften eines Dieselmotors vereint. Meine Kollegen und ich sind absolut überzeugt von Methangas als Kraftstoff für Fernverkehrs-Lkw, da dieser Energieträger einen niedrigen CO₂-Ausstoß mit hoher Energiedichte kombiniert.“

HVO

Eine erneuerbare Dieselsorte, die aus pflanzlichen Fetten und tierischen Ölen hergestellt wird, deren chemische Zusammensetzung mit der von fossilem Diesel identisch ist.

Erdgas
Ein fossiles Gas, das hauptsächlich aus Methan besteht. Es senkt den CO₂-Ausstoß im Vergleich zu Diesel um etwa 10 bis 20 Prozent.

Verflüssigtes Erdgas (LNG)
LNG und Bio-LNG sind Erd- bzw. Biogassorten, die für den Transport und die Lagerung verflüssigt werden.

Biogas
Ein erneuerbares Gas, das hauptsächlich aus Methan besteht. Wird aus Klärschlamm und Pflanzen, aber auch aus Lebensmittelabfällen, Stallmist und organischen Rückständen gewonnen. Kann die Klimabelastung um bis zu 80 Prozent reduzieren.

Erneuerbarer Strom
Strom aus Energiequellen, die sich rasch erneuern und unerschöpflich sind. Zum Beispiel Sonnen- und Windenergie sowie Biomasse und Wasserkraft.

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