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Reicht die Netzkapazität für elektrisch angetriebene Lkw aus?

2026-06-29
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Nachhaltigkeit Elektromobilität

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Durch den Umstieg der Branche auf elektronisch angetriebene Lkw stellen sich auch zahlreiche Fragen hinsichtlich der öffentlichen Stromnetze und ob sie den zusätzlichen Bedarf auch decken können. Doch wie gross ist diese Herausforderung – und wird sie die Elektromobilität einbremsen?

Elektrofahrzeuge, insbesondere Pkw, haben in den letzten zehn Jahren einen grossen Aufschwung erlebt, und alle Prognosen deuten darauf hin, dass sich dieser Trend fortsetzen wird. In den Medien werden aber bereits Bedenken hinsichtlich der Netzkapazität geäussert. Elektrisch angetriebene Lkw haben einen sehr viel höheren Energiebedarf, woher soll die zusätzliche Kapazität also kommen?

Wenn wir die begrenzte Netzkapazität als Grund dafür nehmen, die Elektrifizierung nicht zu beschleunigen, macht es auch keinen Sinn, in die zusätzliche Netzkapazität zu investieren, die in Zukunft benötigt wird.

Wie wirken sich Einschränkungen bei der Netzkapazität auf das öffentliche Laden aus?

Öffentliche Ladestationen haben einen höheren Strombedarf, um mehrere Fahrzeuge gleichzeitig laden zu können. An Standorten mit begrenzter Netzinfrastruktur könnte dies ein Hindernis darstellen. Momentan besteht die grössere Herausforderung jedoch darin, die bereits bestehenden öffentlichen Ladestationen besser auszunutzen.

„Zunächst einmal geht es darum, die bereits heute vorhandene Ladekapazität besser zu nutzen“, sagt Henrik Engdahl, Business Development Director bei Volvo Trucks. „Wenn wir die bestehenden Netze auslasten, wird deutlich, dass in zusätzliche Netzkapazitäten investiert werden muss. Wenn wir jedoch bestehende Einschränkungen als Grund dafür nehmen, die Elektrifizierung nicht zu beschleunigen, macht es auch keinen Sinn, in die zusätzliche Netzkapazität zu investieren, die in Zukunft benötigt wird.“

 

Kann die Netzkapazität Auswirkungen auf das Laden in Depots haben?

Der Netzanschluss und die Sicherung von Kapazitäten erfolgen in der Regel nach dem „First-Come-First-Served“-Prinzip. Dies kann bedeuten, dass in Märkten mit hoher Nachfrage Netzengpässe die Einführungspläne von Unternehmen, die auf Elektromobilität umsteigen wollen, verzögern können. 

„Sobald man einen Netzanschluss hat und die Ladestationen installiert sind, beginnt die eigentliche Arbeit“, sagt Henrik. „Transportunternehmen müssen in Zukunft ermitteln können, wann jedes Fahrzeug aufgeladen werden soll und in welchem Umfang. Diese Optimierung ist nicht nur kostengünstiger für den Eigentümer, sondern reduziert auch die Belastung des öffentlichen Stromnetzes, da eine geringere Netzauslastung niedrigere Kosten bedeutet.“  

Ein weiterer Vorteil des Ladens im Depot ist die Möglichkeit, ungenutzte Kapazität in das öffentliche Netz einzuspeisen. „Wenn sich Ihr Standort auch für andere Fahrzeuge anbietet, könnten Sie externen Unternehmen Lademöglichkeiten anbieten und die Investitionskosten durch die Bereitstellung einer höheren Strommenge aufteilen. Das ist vor allem dann sinnvoll, wenn Sie auf Ihrem Grundstück Solarmodule installieren und kostengünstige erneuerbare Energie nutzen können. In vielerlei Hinsicht sind Netzanschlüsse die neue Messlatte für Effizienz – es geht darum, den Standort optimal zu nutzen.“

In vielerlei Hinsicht sind Netzanschlüsse die neuen Quadratmeilen – es geht darum, den eigenen Standort optimal zu nutzen.
Close-up of an electric vehicle charger with a blurred person using a phone near a truck in the background.

Was können Sie tun, wenn die Netzkapazität ein begrenzender Faktor ist?

Eine begrenzte Netzkapazität bedeutet nicht automatisch, dass der Umstieg auf Elektromobilität ausgeschlossen ist. 

„Eine Möglichkeit besteht darin, sich in Ihrer Umgebung und auf Ihren üblichen Routen umzusehen, ob öffentliche Ladestationen zur Verfügung stehen“, sagt Henrik. „Die Kosten für das Aufladen mögen für viele Unternehmen hoch erscheinen, aber man muss nicht immer den angegebenen Preis akzeptieren.“ Sprechen Sie mit dem Betreiber der Ladestation, dann können Sie wahrscheinlich bessere Konditionen aushandeln.“

Eine weitere Möglichkeit ist die Zusammenarbeit mit Kunden und Logistikeinkäufern, insbesondere mit solchen, die an emissionsarmen Transportdienstleistungen interessiert sind. 

„Wir beobachten, dass sich immer mehr Logistikeinkäufer für das Laden interessieren. Das sind oft Unternehmen, deren Kerngeschäft nicht in der Bereitstellung von Ladeinfrastruktur für Lkw besteht. Sie sehen jedoch eine Gelegenheit, ihre Räumlichkeiten und ihre Netzkapazitäten zu nutzen, um ihren Lieferanten Lademöglichkeiten anzubieten.“

 

Deshalb werden Netzengpässe die Elektrifizierung nicht behindern.

Es wird davon ausgegangen, dass die Elektromobilität zunächst stark in Gebieten zunehmen wird, in denen bereits ein gut ausgebautes Stromnetz vorhanden ist. Dies wird die Zahl der elektrisch angetriebenen Lkw erhöhen, was wiederum Investitionen in die Netzkapazität in anderen Gebieten, in denen diese fehlt, nach sich ziehen dürfte. Allgemein wird jedoch davon ausgegangen, dass die Elektrifizierung schrittweise voranschreiten wird. Der Netzinfrastruktur bleibt also genügend Zeit und Spielraum, sich anzupassen und mit der Nachfrage Schritt zu halten.  

„Die Behauptung, dass die Netzkapazität eine Elektrifizierung unmöglich machen wird, ist falsch“, sagt Henrik Engdahl. „Natürlich muss dieser Faktor berücksichtigt werden – aber wie wir wissen, sind die Akteure unserer Branche Meister darin, neue Lösungen zu finden.“

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