Die EU-Initiative für saubere Verkehrskorridore zielt darauf ab, entlang wichtiger Transportwege in ganz Europa eine öffentliche Hochleistungs-Ladeinfrastruktur aufzubauen. Was würde das für Ihr Unternehmen bedeuten? Und wird das ausreichen, um den Übergang zur Elektromobilität zu beschleunigen?
Die Clean Transport Corridor Initiative (CTCI) wurde 2025 ins Leben gerufen, mit dem Ziel, saubere Transportkorridore entlang der europäischen TEN-T-Güterverkehrsrouten zu schaffen.
Ihr Ziel ist es, eine ausreichende Infrastruktur für nahtloses, grenzüberschreitendes Reisen mit emissionsfreien Fahrzeugen – insbesondere mit batteriebetriebenen Elektrofahrzeugen – zu schaffen. Dazu gehören auch Massnahmen für die zukünftige Wasserstoff-Tankinfrastruktur.
Die ersten beiden im Rahmen der Initiative vorgeschlagenen Teststrecken sind der skandinavisch-mediterrane und der Nordsee-Ostsee-Transportkorridor. Durch die Einrichtung von Schnellladezentren in regelmässigen Abständen sollen Elektro-Lkw bis 2027 beide Routen unterbrechungsfrei befahren können.
Die Initiative legt zwar keine technischen Anforderungen hinsichtlich der Anzahl der Ladegeräte oder der Ladegeschwindigkeiten fest, gibt jedoch eine klare strategische Richtung vor, um Regierungen und Industrie aufeinander abzustimmen. Sollten die beiden Teststrecken erfolgreich verlaufen, soll das Konzept bis 2030 auf alle TEN-T-Korridore ausgeweitet werden.
Die Erklärung fordert zudem die Vereinfachung von Genehmigungsverfahren, die vorrangige Behandlung von Netzanschlüssen, die Sicherung der Finanzierung sowie weitere Massnahmen. Ziel ist es, gängige administrative und logistische Engpässe, die die Elektrifizierung behindern, zu beseitigen.
Dank der neuen EU-Erklärung lassen sich mehr Finanzmittel sichern und der Ausbau der Ladeinfrastruktur kann beschleunigt werden. Ausserdem wird die Platzierung an den strategisch wichtigsten Standorten unterstützt.
Die Verordnung über den Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe[1] der EU, die 2024 eingeführt wurde, weist einige deutliche Überschneidungen mit CTCI auf. Es gibt jedoch einige wichtige Unterschiede, wobei CTCI AFIR im Prinzip unterstützen und ergänzen könnte.
AFIR legt rechtsverbindliche Ziele für die Infrastruktur für alternative Kraftstoffe fest, die für alle EU-Mitgliedstaaten gelten. Gemäss der Verordnung müssen bis 2030 entlang des europäischen Hauptautobahnnetzes alle 120 km öffentliche Ladestationen für Schwerlastfahrzeuge zur Verfügung stehen.
Die Absicht hinter AFIR besteht jedoch nicht darin, ein flächendeckendes Ladenetz aufzubauen, das den Bedarf der gesamten Verkehrsbranche deckt. Vielmehr soll ein Basisnetz geschaffen werden, um den ersten Schritt in Richtung Elektromobilität zu erleichtern. Im Laufe der Zeit werden dann weitere Investitionen und ein Ausbau erforderlich sein.
Der International Council on Clean Transportation[1] ist der Ansicht, dass die tatsächlich bis 2030 benötigte Ladekapazität um etwa 80 % höher liegen wird als im Rahmen der AFIR vorgeschlagen.[2]
CTCI hingegen soll eine zusätzliche Ladeinfrastruktur entlang häufig genutzter Korridore sicherstellen. Im Gegensatz zu AFIR handelt es sich hierbei nicht um eine rechtsverbindliche Regelung, sondern um eine zusätzliche Initiative, die von den neun unterzeichnenden Mitgliedstaaten freiwillig ergriffen wurde.
„AFIR ist das wichtigste Gesetz im Bereich der Ladeinfrastruktur, doch Initiativen wie CTCI bieten eine wichtige Unterstützung“, erklärt Henrik Engdahl, Business Development Director bei Volvo Trucks.
„Es lassen sich mehr Finanzmittel sichern und der Ausbau der Ladeinfrastruktur kann beschleunigt werden. Ausserdem wird die Platzierung der Ladeinfrastruktur an den strategisch wichtigsten Standorten unterstützt.“
Sowohl die CTCI- als auch die AFIR-Initiative werden dazu beitragen, die Nachfrage nach Ladeinfrastruktur dort anzukurbeln, wo sie benötigt wird. Dies wird wiederum die notwendigen Investitionen anziehen, um sicherzustellen, dass das Netz öffentlicher Ladestationen weiter wächst.
Die Transportbranche steht vor einem Dilemma: Es werden mehr Elektro-Lkw benötigt, um Investitionen in die Ladeinfrastruktur anzukurbeln. Gleichzeitig ist mehr Ladeinfrastruktur erforderlich, um Lkw-Besitzer dazu zu bewegen, auf Elektroantrieb umzusteigen. Sowohl AFIR als auch CTCI wollen dieses Dilemma lösen, indem sie den Ausbau der Ladeinfrastruktur beschleunigen.
Der Aufbau eines Netzes auf der Grundlage von Transportkorridoren und Autobahnen wird zwar helfen, doch laut Henrik wird dies allein den Anforderungen der Transportbranche nicht gerecht.
„Wenn man sich die heute vorhandenen öffentlichen Ladestationen ansieht, so ist die flächendeckende Versorgung bereits recht gut“, sagt er. „Beispielsweise ist es unter den richtigen Bedingungen technisch bereits möglich, mit einem Elektro-Lkw von Schweden nach Italien zu fahren. In der Praxis ist die Dichte an Ladestationen jedoch zu gering. Wir brauchen eine Netzabdeckung, die es Ihnen ermöglicht, mit einem Elektro-Lkw überall hinzufahren – nicht nur auf den Autobahnen.
„Diese Initiativen helfen dabei, die Richtung vorzugeben, die erforderlichen Finanzmittel zu sichern und den Stein ins Rollen zu bringen. Dadurch wird die Nachfrage nach Ladeinfrastruktur dort angekurbelt, wo sie benötigt wird,. Das wiederum wird die notwendigen Investitionen anziehen, um sicherzustellen, dass das Netz weiter wächst.“
Letztendlich ist CTCI ein weiteres Zeichen für einen branchenweiten Wandel hin zur Elektrifizierung. Die Initiative spiegelt den wachsenden politischen Willen wider, die Ladeinfrastruktur in ganz Europa zu verbessern. Durch eine Übereinkunft aller Beteiligten und eine gemeinsame strategische Ausrichtung dürfte dies das Vertrauen der Lkw-Besitzer in Investitionen in Elektro-Lkw stärken.
Wenn Sie mehr über die neuesten Trends und Entwicklungen im Bereich der Elektromobilität erfahren möchten, könnte Sie folgender Artikel interessieren:
1 „Ministerial Declaration on the Clean Transport Corridor Initiative“, Europäische Kommission, 16 September 2025, https://
transport.ec.europa.eu/document/download/e49b6a7a-8f8a-4901-b8ba-b9f88aed8683_en?filename=CTCI-ministerial-declaration.pdf
2 „Trans-European Transport Network (TEN-T)“, Europäische Kommission, https://transport.ec.europa.eu/transport-themes/infrastructure-andinvestment/trans-european-transport-network-ten-t_en
3 „Alternative Fuels Infrastructure“, Europäische Kommission, https://transport.ec.europa.eu/transport-themes/clean-transport/alternativefuels-sustainable-mobility-europe/alternative-fuels-infrastructure_en
4 https://theicct.org/publication/afir-eu-hdv-infrastructure-mar22/
5 Pierre-Louis Ragon, Eamonn Mulholland, Hussein Basma, Felipe Rodríguez, „A review of the AFIR proposal: public infrastructure needs to
support the transition to a zero-emission truck fleet in the european union“, März 2022, https://theicct.org/wp-content/
uploads/2022/03/review-afir-public-infrastructure-to-support-transition-to-zero-emission-truck-fleet-eu-mar22.pdf